Ausgabe 05/2026
Aus Antworten werden Forderungen

Wie erreicht man Beschäftigte wirklich? In Cottbus/Chóśebuz haben 85 Prozent des Ordnungsdienstes an der ver.di-Befragung "Gute Arbeit" teilgenommen. Dabei ging es um ihre Arbeitsbedingungen – und darum, wo sich konkret etwas verbessern muss.
Die Befragung lief bundesweit bis Ende September bei den kommunalen Ordnungsdiensten. Cottbus/Chóśebuz erreichte dabei als erste Kommune eine Beteiligung von mehr als 50 Beschäftigten. Die Befragung hat gezeigt: Je mehr Kolleg*innen mitmachen, desto genauer zeigt sich, was sie belastet, was gut läuft und wo sich etwas ändern muss.
Genau darauf hatten die örtlichen ver.di-Aktiven hingearbeitet. Cottbus gehörte zu den sogenannten Fokuskommunen: Kommunen mit mehr als 50 Beschäftigten im Ordnungsdienst konnten bei ausreichender Beteiligung eine eigene Auswertung erhalten. So wird zum einen sichtbar, wie die Beschäftigten ihre Arbeitssituation im Allgemeinen bewerten, und zum anderen wie Cottbus dazu im bundesweiten Vergleich dasteht.
"Wir hatten uns vorgenommen, als Erste die 50 zu erreichen", sagt Jana Hampel, ver.di-Vertrauensfrau bei der Stadtverwaltung Cottbus/Chóśebuz. Am 30. Juni war es geschafft – einige Tage vor Dresden, danach folgte Frankfurt am Main.
Nicht nur Mails verschicken
Vorbereitet wurde die Befragung bereits Monate zuvor. Seit Januar 2026 trafen sich Gewerkschaftssekretär*innen und ehrenamtliche ver.di-Mitglieder aus den Fokuskommunen regelmäßig per Videokonferenz. Gemeinsam stimmten sie die Fragen ab. Das war auch deshalb notwendig, weil Kommunale Ordnungsdienste je nach Landesrecht und Polizei-Zuständigkeiten bundesweit sehr unterschiedlich organisiert sind.
Als die Befragung im Juni startete, setzte das Cottbuser Team vor allem auf persönliche Ansprache. Ausgewählte Vertrauensleute gingen während mehrerer "aktiver Mittagspausen" direkt in die Dienststellen und sprachen die Kolleg*innen auf die Befragung an.
Für Hampel ist genau das ein entscheidender Punkt: Beschäftigte beteiligen sich eher, wenn sie wissen, worum es geht und was ihre Rückmeldung bewirken kann. E-Mails, Intranet oder ausgelegte QR-Codes allein reichen dafür oft nicht. "Geht selbst raus zu den Kolleginnen und Kollegen", sagt Hampel. Die persönliche Ansprache in der Mittagspause mache einen Unterschied.
Unterstützung von zwei Seiten
In Cottbus kam ein weiterer Faktor hinzu: Auch der amtliche Fachbereichsleiter für die Ordnungsdienste interessierte sich für die Befragung. Hampel konnte sie in einer Dienstberatung vorstellen. Anschließend motivierten auch Führungskräfte ihre Teams zur Teilnahme.
Für die Beschäftigten bedeutete das vor allem: Die Befragung wurde im Arbeitsalltag ernst genommen. Sie wurde von zwei Seiten getragen: von den Vertrauensleuten und Beschäftigten selbst – und zugleich von den Vorgesetzten.
Auch die praktischen Bedingungen wurden in Cottbus günstig gestaltet. Die Befragung lief ausschließlich online. Neben QR-Code und Homepage wurde der Link zusätzlich ins Intranet der Stadtverwaltung gestellt. Die Beschäftigten des Ordnungsdienstes durften die Fragen zudem während ihrer Arbeitszeit beantworten. Gerade dieser niedrigschwellige Zugang erwies sich als hilfreich.
Erst Vertrauen schaffen
Bemerkenswert ist die Strategie auch deshalb, weil der Ordnungsdienst in Cottbus nach Angaben Hampels bislang gewerkschaftlich nicht besonders stark organisiert ist. Trotzdem war die Bereitschaft groß, über die eigene Arbeitssituation Auskunft zu geben.
"Erst informieren und Vertrauen aufbauen", beschreibt Hampel den Ansatz. Entscheidend ist für sie zunächst, dass die Beschäftigten mit ihren Erfahrungen gehört werden. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen und sich daraus konkrete betriebliche oder tarifliche Themen ergeben, soll der Zusammenhang zur gewerkschaftlichen Organisierung stärker hergestellt werden: Wer gemeinsam etwas verändern will, braucht dafür auch gemeinsame Durchsetzungskraft.
Und so geht es jetzt weiter: Die Vertrauensleute haben den Beschäftigten zugesagt, wieder in die Dienststellen zu kommen und ihnen die Ergebnisse vorzustellen. Auch der Arbeitgeber soll Auszüge und insbesondere die auf Cottbus heruntergebrochene Auswertung erhalten. Die Befragung soll eben nicht in einer Schublade verschwinden. Aus den Antworten kann sichtbar werden, wo Arbeitsbedingungen verbessert werden müssen – etwa bei Belastung, Ausstattung, Arbeitsorganisation oder anderen Themen, die die Beschäftigten benannt haben. Genau darin liegt der Sinn der Befragung: Die Erfahrungen der Kolleg*innen sollen zur Grundlage dafür werden, konkrete Verbesserungen einzufordern.
Ob Erkenntnisse aus der bundesweiten Befragung später auch Eingang in eine TVöD-Tarifrunde finden können, hängt laut Hampel davon ab, wie stark die Themen von den Beschäftigten getragen werden und wie gut der Ordnungsdienst bundesweit organisiert ist. Je mehr Beschäftigte sich beteiligen und gemeinsam mit ver.di für ihre Themen eintreten, desto größer ist die Chance, dass aus einzelnen Erfahrungen gemeinsame Forderungen werden.