Wer krank wird, fliegt

Düstere Arbeitsbedingungen bei Handy-Zulieferern in den Sonderwirtschaftszonen des Inselstaates

"Bist du schwanger?". Die Frage wird Frauen gestellt, die sich in einer Sonderwirtschaftszone (EPZ) auf den Philippinen um einen Job bewerben. Um sicherzugehen, wird ein Schwangerschaftstest verlangt. Was nach internationalen Standards unmöglich wäre, ist hier üblich. Die Studie " Silenced to Deliver" der europäischen Aktionsgruppe "Make IT Fair" zeichnet ein düsteres Bild von der Arbeit im Elektroniksektor, einem der wichtigsten Wirtschaftsfelder der Philippinen. Der Gesamtwert der produzierten High-Tech-Waren lag 2007 bei 31 Milliarden US-Dollar, in der Export-Hitliste sind sie die Nummer 1. Drei Viertel aller Elektronikfirmen sind in ausländischem Besitz.

In der EPZ Cavite, eine Stunde Autofahrt von Manila entfernt, werden rund um die Uhr Handy-Bauteile für all die schicken Telefone von Nokia, Motorola oder Samsung hergestellt. Die Studie zeigt, dass am Ende der Zuliefererkette die übelsten Arbeitsbedingungen herrschen. Kaum einer der Interviewten, die für Astec Power, eine Tochter der US-Firma Emerson, oder den japanischen Betrieb Micro Device Technology arbeiten, verdient mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn von 282 Pesos, etwa 4,50 Euro. "Damit kann man keine Familie ernähren", sagte einer der Befragten. Ohne Überstunden geht es also nicht. Manche Arbeiter kommen auf 84 Stunden pro Woche. Praktikant/innen erhalten nur 75 Prozent des Mindestlohns.

"Wir hören andauernd Klagen über die Arbeitsbedingungen", sagt Cecilia Tuico, Kampagnen-Managerin des Workers Assistence Centers, das in Cavite Gewerkschaften unterstützt. "In einigen Bereichen wird mit gefährlichen Chemikalien hantiert. Offenbar sind die Arbeiter nicht immer ausreichend geschützt." Wer krank werde, müsse mit Entlassung rechnen.

Ein Arbeitstag hat neun bis zwölf Stunden. Auf 25 Tagschichten folgen 25 Nachtschichten. "Die größte Chance auf einen Job haben 18- bis 25-jährige unverheiratete Frauen. Die gelten als zäh. Aber auch Minderjährige arbeiten hier", sagt Tuico. Gewerkschaftsmitglieder haben keine Chance. Oft müssen die Arbeiter/innen unterschreiben, dass sie sich keiner Interessenvertretung anschließen. Geheimhaltung, was die Arbeit betrifft, ist ungeschriebenes Gesetz. Wer plaudert, fliegt. Wer gestreikt hat, muss sich nicht erst bewerben.HILJA Müller

http://makeitfair.org