Vor zehn Jahren, als ich meine älteste Tochter zur Welt brachte, meldeten ukrainische Mütter ihre Kinder praktisch schon in den ersten Tagen nach der Geburt auf den Online-Wartelisten für eine Kita an. Wer damit zu lange wartete, riskierte, keinen Platz zu bekommen.

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Olha VorozhbytFoto: privat

Heute, da mein jüngster Sohn fast zwei Jahre alt ist und ich beschlossen habe, ihn im Kindergarten anzumelden, gibt es keinerlei Probleme mehr. Im Gegenteil: Die Kitas suchen nach Kindern. Der Krieg und die demografische Krise haben tiefe Spuren hinterlassen. Die Zahl der Kinder im Vorschulalter sinkt drastisch – und dieser Trend wird sich weiter verschärfen. Nach Schätzungen des ukrainischen Bildungsministeriums wird es in den Jahren 2026 bis 2028 rund 200.000 Kinder weniger im Alter von drei bis sechs Jahren geben. Das bedeutet, dass etwa zweitausend große Kindergärten künftig nicht mehr benötigt werden.

Doch das ist längst nicht die einzige Herausforderung, vor der das ukrainische Vorschulsystem steht. Russische Angriffe zerstören kontinuierlich die Infrastruktur. In Charkiw ist etwa die Hälfte der kommunalen Kindergärten zerstört oder beschädigt. Andere Einrichtungen verfügen nicht über ausreichend ausgestattete Schutzräume und können deshalb nicht arbeiten. Geöffnet haben nur Einrichtungen in unterirdischen Räumlichkeiten oder private Kindergärten mit geeigneten Schutzbunkern.

Neue Menschen, neue Formate

Seit vielen Jahren gehört der Personalmangel zu den größten Problemen des Sektors. Nach aktuellen Angaben fehlen rund 5.000 Fachkräfte. Hinzu kommt ein weiteres strukturelles Problem: Das Durchschnittsalter der Beschäftigten liegt bei etwa 60 Jahren.

Früher musste man vier Jahre studieren, um Erzieherin oder Erzieher zu werden, erklärt mir die UNICEF-Expertin und Mitbegründerin der Nichtregierungsorganisation "Dobra Osvita" ("Gute Bildung"), Solomija Boikowytsch. Dank des neuen Gesetzes über die Vorschulerziehung, das im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist, können Kita-Leitungen nun auch Interessierte ohne pädagogische Erfahrung zunächst für ein Jahr als Assistenzkräfte einstellen. Anschließend können diese eine verkürzte Ausbildung absolvieren und danach bereits als Erzieherinnen oder Erzieher arbeiten. Die Regierung hofft, auf diese Weise zumindest eine teilweise Verjüngung des Personals zu erreichen.

Die vielleicht größte Veränderung, die das neue Gesetz gebracht hat, ist jedoch die Anerkennung alternativer Formen der Vorschulerziehung. Nun gelten auch Mini-Kindergärten sowie mobile oder familiäre Kindergärten offiziell als Teil des Vorschulsystems. "Diese Formen wurden geschaffen, damit wir besonders flexibel reagieren können. Die Situation im Vorschulbereich unterscheidet sich in der Ukraine je nach Region enorm. Dort, wo die Sicherheitslage große Kindergärten nicht zulässt oder es überhaupt keine Einrichtungen mehr gibt, entstehen nun alternative Formate", sagt Solomija Boikowytsch.

So ist in der Region Cherson seit mehr als einem Jahr der mobile Kindergarten-Bus unterwegs, der zwischen Dörfern pendelt und an Luftschutzbunkern oder anderen sicheren Orten hält. Dort verbringen die Kinder einige Stunden mit Erzieherinnen und Erziehern, lernen, spielen und haben Kontakt zu Gleichaltrigen.

Das Fehlen von Vorschulbildung hat jedoch gravierende Folgen für Kinder. Nach Angaben des Bildungsministeriums zeigen 86 Prozent der Kinder aus Frontgebieten Verzögerungen in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung. Neue Formen von Kindergärten könnten so vorerst zu einer Rettungsleine für die frontnahen Regionen werden.