Mensch ersetzt Maschine

USA – Rolle rückwärts beim US-Autobauer Ford: Weil Künstliche Intelligenz Menschen offensichtlich in vielen Fällen nicht ersetzen kann, hat Ford rund 300 Fachkräfte in den vergangenen drei Jahren ins Unternehmen zurückgeholt. Kosten für Rückrufe und Garantieleistungen sollen seither zurückgehen. Dabei hatte Ford-Chef Jim Farley noch vor einem Jahr prophezeit, KI würde die Hälfte aller Angestellten in den USA ersetzen. Gegenüber Reportern der Finanzagentur erklärte Ende Juni Charles Poon, Vize- präsident für Fahrzeug-Hardware-Entwicklung bei Ford, dass die Einführung automatisierter Systeme keinesfalls zu qualitativ hochwertigeren Produkten führte. Vielmehr fehlten der KI das Fachwissen erfahrener Techniker. Die wurden jetzt zurückgeholt, um die Systeme entsprechend zu schulen und jüngere Mitarbeiter anzuleiten. So sollen Fehlerquellen bereits behoben werden, bevor die Produktion der Bauteile startet.

Arbeitnehmerrechte unter Druck

Weltweit – Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) hat Anfang Juni die 13. Ausgabe seines Global Rights Index veröffentlicht. Der Index zeigt eine weltweite Verschlechterung der Arbeitnehmerrechte. Europa und Amerika verzeichnen demnach die schlechtesten Durchschnittswerte seit Einführung des Index 2014. Verstöße gegen die Meinungs- und Versammlungsfreiheit stiegen um 5 Prozent in den insgesamt 151 untersuchten Ländern, gewalttätige Übergriffe auf Beschäftigte um 6 Prozent. Festnahmen und Inhaftierungen nahmen deutlich zu. Der IGB warnt, dass zunehmend neue Technologien zur Überwachung und Disziplinierung von Beschäftigten eingesetzt würden. Immer weniger Regierungen würden zudem in den Austausch mit Gewerkschaften gehen, bevor sie Arbeitsgesetze ändern oder einführen. Das Streikrecht wurde in 87 Prozent der Länder verletzt, das Recht auf Tarifverhandlungen in 80 Prozent. In Deutschland etwa umging Adidas tarifvertragliche Bindungen, indem der Konzern seine Mitgliedschaft im Branchenverband herabstufte. Zu den zehn "schlimmsten Ländern" für Arbeitnehmerrechte zählt die IGB-Liste unter anderem Ägypten, Myanmar, Nigeria, Tunesien und die Türkei, die USA wurde auf die Beobachtungsliste genommen.

Venedig: Hitze-Streik droht

Italien – In Venedig ist der Streit um den Arbeitsschutz bei extremer Sommerhitze eskaliert. Die italienische Gewerkschaft USB (Unione Sindacale di Base) droht mit Streiks und der Schließung bedeutender Kulturinstitutionen, darunter das Nationale Archäologiemuseum an der Piazza San Marco. Der Grund: unerträgliche Arbeitsbedingungen in den historischen, teils unzureichend klimatisierten Gebäuden. Während die Temperaturen im Juli 2026 neue Höchstwerte erreicht haben, sind laut Gewerkschaftsangaben immer wieder Beschäftigte im Dienst kollabiert. Die USB fordert von den Betreibergesellschaften und Behörden sofortige, rechtlich verbindliche Richtlinien statt vager mündlicher Absprachen. Verlangt werden zusätzliche Pausen, eine reduzierte Arbeitszeit bei extremer Hitze und der Verzicht auf Gehaltseinbußen bei hitzebedingten Ausfällen. Der Konflikt in Venedig gilt als Symbol für den europaweit wachsenden Druck auf Arbeitgeber, Beschäftigte besser vor den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels zu schützen.