Seit dem ver.di-Bundeskongress im September 2023 sind die queeren Mitglieder eine eigene Personengruppe innerhalb von ver.di. Seither wurden auch in Bayern in verschiedenen Bezirken schon Arbeitskreise gegründet. Ihre Mitglieder gestalten seitdem die queere Gewerkschaftsarbeit mit.

Im Fokus stehen dabei konkrete Verbesserungen, wie zum Beispiel eine tarifvertragliche Freistellungsregelung für queere Elternschaft. Noch immer ist die rechtliche Anerkennung als Elternteil bisher nur über ein aufwändiges Adoptionsverfahren möglich, wenn beide Elternteile denselben Geschlechtseintrag haben. Und auch gegen Diskriminierung in der Arbeitswelt und im Gesundheitswesen wehren sich die Mitglieder der Arbeitskreise lautstark. Sei es in Regenbogen-Netzwerken in ihrem Betrieb oder durch Betriebsvereinbarungen, die zum Beispiel die Unterstützung von Outing-Prozessen regeln. Nicht nur der Anschlag auf den Berliner CSD, sondern auch die Zahlen zu queerfeindlicher Hasskriminalität zeigen deutlich, wie stark die erkämpften Rechte der Community unter Druck stehen. Von 2024 auf 2025 sind die Zahlen in diesem Bereich um 12,8 Prozent gestiegen und erreichen damit einen neuen Höchstwert. Mit 245 CSDs deutschlandweit (46 davon in Bayern) wurde zwar ebenfalls ein neuer Rekord aufgestellt, aber fast die Hälfte davon wurde angegriffen oder gestört.

Positives Feedback

Für die Personengruppe Queer war es in diesem Jahr deshalb besonders wichtig auf den kleineren CSDs sichtbar zu sein. In Karlsfeld, einer kleinen Gemeinde bei München, waren es mit 250 Teilnehmenden auf den ersten Blick sehr wenige Menschen. Das Feedback zu ver.di-Infostand und dem Redebeitrag von ver.di war jedoch durchweg positiv. Gerade im ländlichen Raum, wo queere Safer Spaces und Sichtbarkeit keine Selbstverständlichkeit sind, freuen sich Menschen über die Unterstützung einer so großen Organisation wie ver.di. Manche ver.di-Mitglieder bringen sich sogar aktiv in die Organisation von CSDs ein, zum Beispiel in Ebersberg oder auch in Miltenberg.

Am 12. Dezember findet die erste Landesmitgliederversammlung der queeren Mitglieder im Münchner Gewerkschaftshaus statt. Dort wird das erste Mal in der Geschichte von ver.di ein ehrenamtlicher bayerischer Vorstand gewählt. Die queere Community-Arbeit innerhalb von ver.di bekommt damit einen festen organisatorischen Rahmen und kann sich hoffentlich in Zukunft noch stärker in gesellschaftliche und gewerkschaftsinterne Debatten einbringen.

Kontakt: Sophie Rumpel Gewerkschaftssekretärin für die Personengruppe Queer E-Mail: sophie.rumpel@verdi.de