Ausgabe 05/2026
Intensiv verhandelt, gemeinsam gestaltet
Nach mehreren Monaten intensiver Verhandlungen liegt ein Ergebnis zur Modernisierung der mit dem Arbeitgeberverband energie- und versorgungswirtschaftlicher Unternehmen e.V. (AVEU) abgeschlossenen Tarifverträge vor. Der Weg dorthin war anspruchsvoll und von intensiven Diskussionen geprägt. Unterschiedliche Interessen mussten zusammengeführt, zahlreiche Detailfragen geklärt und tragfähige Kompromisse gefunden werden. Die Einschätzung von ver.di: Am Ende ist es gelungen, ein ausgewogenes Gesamtpaket zu erarbeiten, das die Tarifverträge weiterentwickelt und gleichzeitig ihre Stärken bewahrt.
Den Auftakt der Reform- und Modernisierungsgespräche machte die "Gemeinsame Tarifkommission" (GTK) AVEU von ver.di und der IG BCE am 29. Januar 2026 in Erfurt bei der Thüringer Energie AG. In diesem Termin wählten sie ihre Vertreter*innen der Arbeitsgruppe.
Es folgten zwei intensive Verhandlungstage im April bei der E.DIS in Potsdam, anschließend Gespräche Anfang Mai bei der SachsenEnergie AG in Dresden sowie im Juni bei der enviaM in Chemnitz. Dort konnten die wesentlichen Eckpunkte des Gesamtpakets erarbeitet werden. Im Anschluss wurden im Rahmen einer Online-Sitzung noch die letzten Feinheiten abgestimmt.
Die Arbeitsgruppe hatte sich ihre Aufgabe alles andere als leicht gemacht. Ziel war es nicht, möglichst viele Einzelregelungen zu verändern, sondern die Tarifverträge behutsam an die Anforderungen einer modernen Arbeitswelt anzupassen. Dabei galt es, einen anspruchsvollen Spagat zu meistern: Die berechtigten Erwartungen der Beschäftigten und Gewerkschaftsmitglieder sollten ebenso berücksichtigt werden wie die betriebliche Praxistauglichkeit der Regelungen.
Gleichzeitig war für die Gewerkschaften klar, dass tarifliche Gestaltungsmacht auch künftig auf der Ebene der Tarifvertragsparteien bleiben muss. Neue Gestaltungsmöglichkeiten für die Betriebe sollten dort eröffnet werden, wo sie sinnvoll sind – jedoch ohne die Verantwortung für Arbeits- und Sozialbedingungen vollständig auf die Betriebsparteien zu verlagern. Dieser Grundsatz hat die Gespräche über alle Verhandlungsrunden hinweg geprägt und war an vielen Stellen Ausgangspunkt intensiver Diskussionen.
Das nun vorliegende Modernisierungspaket enthält zahlreiche Verbesserungen. Dazu gehören unter anderem neue Entwicklungsmöglichkeiten bei den Erfahrungsstufen, fairere Regelungen bei Höhergruppierungen sowie neue Möglichkeiten zur flexibleren Gestaltung von Arbeitszeit und Beruf. Auch bei der Entgeltumwandlung wurden neue tarifliche Grundlagen geschaffen.
Viele der vereinbarten Maßnahmen können künftig auf Grundlage freiwilliger betrieblicher Vereinbarungen umgesetzt werden, bleiben dabei aber fest im tariflichen Rahmen verankert. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Bausteinen der Modernisierung der Tarifverträge und deren Auswirkungen finden sich auf aveu.verdi.de.
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt allerdings nicht. Bereits Mitte November beginnt mit einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung die Vorbereitung der Tarifrunde 2027. Schon heute ist klar, dass sie anspruchsvoll werden wird. Gute Argumente allein reichen am Verhandlungstisch jedoch nicht aus. Tarifverträge müssen immer wieder gemeinsam durchgesetzt werden. Dafür braucht es eine starke Tarifgemeinschaft und viele engagierte ver.di-Mitglieder. Denn nur mit einem hohen Organisationsgrad verfügen wir auch künftig über die notwendige Durchsetzungskraft, um gute Tarifabschlüsse für die Beschäftigten im AVEU zu erreichen. Mathias Präg