Seit vier Jahren gibt es einen Kooperationsvertrag zwischen der Geschäftsführung der Chemnitzer Verkehrsbetriebe, dem Betriebsrat und der AOK mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Zuvor war die Geschäftsführung auf den Betriebsrat zugegangen, weil der Krankenstand zu hoch war. Wolfgang Beyer, damals Betriebsratsvorsitzender, beschreibt, wie sie vor vier Jahren das völlig neue Projekt angingen: "Wir haben - begleitet und moderiert durch Experten der AOK - eine umfangreiche Analyse begonnen. Dazu wurde anonym ausgewertet, welche Krankheiten häufig auftraten. Wir haben das Betriebsklima untersucht, Fragen der Sicherheit des Arbeitsplatzes diskutiert, das Schichtsystem unter die Lupe genommen und auch darüber nachgedacht, wie die gesunden Kollegen leben, was sie anders machen."

So entstand in den Chemnitzer Verkehrsbetrieben ein Fahrplan für die Gesundheit. Und ein Arbeitskreis, der sich sechs Mal im Jahr trifft. In alle Prozesse sind die Mitarbeiter/innen einbezogen, sie informieren ihren Vertreter über alles, was krank machen kann im Betrieb. Dann werden die gemeinsam erarbeiteten Maßnahmen umgesetzt.

Betriebsklima ist wichtig

Wolfgang Beyer beschreibt sie als oft ganz einfache Dinge. Zum Beispiel die Belüftung der Fahrerkabinen, die Veränderung der Sitze für die Fahrer/innen. In den Büros gab es Geruchsbelästigungen durch einen Teppich-Klebstoff. Ein Schwerpunkt bleibt das Betriebsklima. "Unsere Erfahrung zeigt, dass Betriebsklima und Unternehmenskultur einen sehr großen Einfluss auf die Gesundheit der Mitarbeiter haben. Die vielen Umstrukturierungen der letzten Jahre, die Angst um den Arbeitsplatz und vor allem die mangelnde Kommunikation zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern gingen nicht spurlos an uns vorbei." Das alles ließ sich ändern: Jeder hat Zugriff auf das Intranet, kann die Dienstpläne von zu Hause aus ansehen. Eine Mitarbeiterzeitung informiert über die Prozesse im Betrieb.

Beyer fasst zusammen, dass die Kooperationsvereinbarung von allen positiv bewertet wird. Das Betriebsklima wird von Offenheit getragen.Der Krankenstand sei zurückgegangen, vor allem der psychisch bedingte. Auch konkrete Angebote wie Schulungen und Untersuchungen wurden der Belegschaft gemacht: Physiotherapeutische Behandlungen sind im Betrieb jetzt zum Beispiel möglich. Btr.

Leitbild: Gute Arbeit

Die Initiative Gute Arbeit ist inzwischen gewerkschaftliches Markenzeichen. Beim jährlichen DGB-Index Gute Arbeit werden die Beschäftigungsqualität und die Zufriedenheit am Arbeitsplatz repräsentativ erhoben.

Gute Arbeit ist Arbeit mit Beteiligung und gerechtem Entgelt, mit Arbeits- und Gesundheitsschutz und sozialer Sicherheit ohne Diskriminierung.

Der ver.di-Landesarbeiter/innen-Vorstand hat sich die Definition zum Leitbild gemacht. Er setzt sich ein für Einkommen, Qualifizierung, aber auch Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten von Betriebskultur und emotionalen und körperlichen Anforderungen.

www.dgb-index-gute-arbeit.de