Ausgabe 03/2026
Kurzmeldungen zum Spezial „Digitalisierung“
Europäischer Suchindex
Ecosia – Suchmaschinen sind das Tor zum Internet – und deren Basis ist ein Suchindex. Die deutsche Firma Ecosia baut gerade zusammen mit der französischen Qwant den Suchindex "European Search Perspective" auf, um der Kundschaft eine Alternative zu US-Konzernen zu bieten. Bisher hat Google hier einen Marktanteil von 90 Prozent, Bing von Microsoft 4,5 Prozent. Auch alternative Suchmaschinen aus Europa wie Startpage greifen auf Google zu, anonymisieren die Nutzenden aber, sodass sie keine personalisierte Werbung erhalten. DuckduckGo greift auf Bing, aber auch weitere Quellen zu. Im Dezember hatte Ecosia mit Hilfe des Informationsfreiheitsgesetzes herausgefunden, dass Bundes- und Landesministerien bei der Internet-Suche ganz überwiegend US-Suchmaschinen nutzen – und sie damit indirekt mit Werbeeinnahmen füttern, die die Finanzgrundlage von Suchmaschinen sind. Dabei hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angekündigt: "Wir machen den Staat zum Ankerkunden für souveräne Arbeitsmittel in der öffentlichen Verwaltung." Zu sehen ist davon bisher nichts.
Das Super-Hacker Programm
Claude Mythos – Die US-Firma Anthropic verkündete Anfang April, ihre neuste Version der KI mit Namen Claude Mythos sei zu gefährlich, um sie zu veröffentlichen. Die Software ist darauf programmiert, Fehler und Schwachstellen in Computerprogrammen aufzuspüren und daraus Angriffsstrategien zu entwickeln. Damit könnte sie zu einem gefährlichen Instrument für Cyberattacken und Hackerangriffe, aber auch zur Spionage eingesetzt werden. Anthropic hat das neue Produkt zunächst nur ausgewählten Partnern zur Verfügung gestellt, damit sie selbst ihre Software damit testen und verbessern können. Angeblich sollen damit bereits jahrzehntelang unentdeckte Schwachstellen aufgespürt worden sein. Anfang Mai hat US-Präsident Donald Trump seine bisherige Strategie gegenüber KI geändert: Anstatt sie wie bisher völlig unreguliert auf den Markt zu lassen, soll das Handelsministerium sie nun vor der Veröffentlichung prüfen.
Überwacht vom Demokratiefeind?
Palantir – Führende Beamte beim Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt und bei der Bundeswehr haben sich gegen den Einsatz von Technik des US-Konzerns Palantir ausgesprochen. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hingegen ist ein Fan des Unternehmens, dessen deutsche Firmenzentrale in München liegt. Palantirs Geschäftsmodell ist die Überwachung der Bevölkerung. Die Technik verknüpft viele Datenbanken, sortiert sie mit Hilfe von KI und spuckt die Informationen gut aufbereitet aus. Die US-Zoll- und Einwanderungsbehörden organisieren damit Massenabschiebungen. In Bayern, NRW und Hessen arbeitet die Polizei bereits mit Palantir-Technik. In Baden-Württemberg wollen die Grünen geschlossene Verträge rückgängig machen. Ob der BND oder andere Bundesstellen die Software nutzen oder den Einsatz planen, unterliegt der Geheim haltung. Einer der Palantir-Firmengründer ist Peter Thiel, Demokratieverächter und Trump-Unterstützer. Sein Unternehmen hat kürzlich in einem Manifest seine "moralische Pflicht zur Unterstützung des Militärs" erklärt. Tatsächlich spielt Palantir im Iran-Krieg offenbar eine zentrale Rolle zur Identifizierung der Ziele.
KI schon längst Alltag
Banken – Um den aktuellen Stand der Dinge beim Einsatz von KI in Banken herauszufinden, hatte ver.di eine Onlinebefragung organisiert. 17.000 Beschäftigte beteiligten sich bis Januar 2025. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. 54 Prozent berichteten, bereits KI zu nutzen, wobei die Jüngeren hier deutlich vorne lagen. Desto höher das Einkommen, desto vertrauter der Einsatz mit KI. Angst um ihren Arbeitsplatz äußerten 28 Prozent der Teilnehmenden – die meisten aus unteren Einkommensbereichen. 43 Prozent erleben KI als positiv, weil sie ihnen mehr Handlungsspielraum eröffnet. Ganz entscheidend für die Bewertung von KI ist die Frage, ob sich die Beschäftigten ausreichend unterstützt fühlen. Deshalb fordert ver.di Qualifizierungsangebote für alle und nur Programme, die den Handlungsspielraum der Beschäftigten erweitern und nicht auf Arbeitsplatzabbau abzielen.
KI kann die Gesundheit gefährden
Arbeitsschutz – Werden Routinearbeiten durch KI ersetzt und die gewonnene Zeit nicht für Freiräume, sondern zur Arbeitsverdichtung genutzt, steigt die Gefahr von Burnouts. Außerdem gibt es für konzentrierte Arbeitsphasen neurobiologische Grenzen; niemand kann sich ununterbrochen nur auf die schwierigsten Fälle konzentrieren, die durch KI nicht zu bewältigen sind. Das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (FAO) warnt außerdem vor "Deskilling", also Kompetenzverlust, wenn Beschäftigte häufig KI nutzen, um sich nicht tiefer in ein Thema einarbeiten zu müssen. Auch die Rolle, KI-Vorschläge oder KI-Übersetzungen nur noch zu kontrollieren und zu korrigieren, statt sie selbst zu erarbeiten, kann demotivierend wirken.
Erst denken, dann KI nutzen
Bildung – Die Mehrheit der Schüler*innen hat KI inzwischen als nützliches Instrument für ihre Hausaufgaben entdeckt. Das birgt allerdings die Gefahr, dass sie beispielsweise Matheaufgaben zwar schneller und besser lösen, aber die Zusammenhänge weniger verstehen. Bei einer Studie schnitten diejenigen, die bei den Hausaufgaben KI genutzt hatten, in Prüfungen deutlich schlechter ab. Einen solchen Zusammenhang belegt auch ein Experiment am Massachusetts Institute of Technology (MIT), das die Hirnaktivitäten von zwei Gruppen verglich. Die Neuronen bei Menschen, die eine Aufgabe mit Hilfe von KI lösen sollten, waren wesentlich weniger aktiv als bei denjenigen, die ohne Unterstützung zum Ziel kamen. Expert*innen raten deshalb, eine Aufgabe zuerst selbst zu durchdenken und erst im zweiten Schritt KI für gezielte Nachfragen zu nutzen.