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Ratgeber wollten Rainer Mühlhoff davon abbringen, sein Buch "Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus" zu nennen. Doch der Professor an der Universität Osnabrück ließ sich nicht beirren – und das zu Recht. In dem kleinen, überaus informativen Büchlein beschreibt er nicht nur die Funktionsweise von KI. Er beleuchtet auch die Denkweise der Männer hinter den mächtigen Tech-Konzernen, die mit US-Präsident Donald Trump gemeinsame Sache machen. "Faschismus zeichnet sich dadurch aus, sich moderne Technologie als Machtinstrument zur Durchsetzung antidemokratischer Destruktion anzueignen."

Der Begriff "Künstliche Intelligenz" tauchte erstmals 1953 auf und hat mehrere Wellen von Faszination erlebt. Die besteht darin, dass Menschen die Technik als menschenähnlich erleben und deshalb auch Eigenschaften wie Verständnis und Mitgefühl auf sie projizieren. Doch KI ist nicht in der Lage zu verstehen – sie wird nur immer besser darin, so zu erscheinen.

Heute basiert KI auf gigantischen Datenmengen, die die großen Plattformen in den vergangenen Jahren weltweit eingesammelt haben und aus denen sie Wahrscheinlichkeiten ableiten. Wird sie eingesetzt, um Bewerber*innen vorzusortieren, die Kreditwürdigkeit einer Person abzuschätzen oder einen Versicherungsfall zu entscheiden, erscheint das zwar wie ein Effizienzgewinn. Doch anders als bei einer Einzelfallprüfung ist die Entscheidung intransparent und damit anfällig für Machtmissbrauch. Außerdem geht sie häufig zu Lasten marginalisierter Gruppen. Die wehren oder beschweren sich selten, und so verstärkt die KI ihre Benachteiligung immer weiter.

Die maschinelle Superintelligenz

Ganz gruselig wird es, wenn Mühlhoff das geistige Umfeld der Tech-Bros ausleuchtet. Da geht es einerseits um die Angst vor einer maschinellen Superintelligenz, die die Menschheit dominiert und schließlich auslöscht. Andererseits kursieren Visionen, in Millionen Jahren den gesamten Weltraum besiedelt zu haben und "aus Verantwortung" für diese künftigen Generationen die menschliche Evolution durch Eugenik zu steuern. Viele dieser pseudophilosophischen Ideen erscheinen völlig abstrus. Doch dahinter stehen die reichsten Männer der Welt, die rechtsradikale Bewegungen unterstützen und den Staat entmachten wollen.

Was tun? Die Profit- und Machtinteressen studieren, die Risiken für den Einsatz von KI in der Verwaltung erkennen und den KI-Einsatz stark regulieren, so Mühlhoff. Annette Jensen

RAINER MÜHLHOFF, KÜNSTLICHE INTELLIGENZ UND DER NEUE FASCHISMUS, RECLAM VERLAG, 160 SEITEN, ISBN: 978-3-15-014666-8, 8 €