Ausgabe 04/2026
Kurzmeldungen zum Spezial „Nachhaltigkeit“
Naturschutz bedroht
Petition I – In der Europäischen Union werden derzeit wichtige Naturschutzgesetze aufgeweicht – zugunsten kurzfristiger Wirtschaftsinteressen einzelner Branchen. "Damit riskieren politische Entscheidungstragende unsere Gesundheit und unsere Zukunft. Denn diese Gesetze schützen, was für Leben unverzichtbar ist: sauberes Trinkwasser, gesunde Lebensmittel, gute Luft und eine intakte Natur", schreibt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) in seiner Petition "Hände weg vom Naturschutz". Würden Umweltstandards abgesenkt, steige das Risiko von Verschmutzung – mit Folgen für Mensch und Umwelt. "Schadstoffe in Wasser, Boden und Luft können Krankheiten begünstigen und unsere Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigen. Besonders problematisch ist, dass viele dieser Entscheidungen auf EU-Ebene unter starkem Lobbydruck getroffen werden und für die Öffentlichkeit kaum nachvollziehbar sind." Die Petition kann hier gezeichnet werden:
Nach Tesla nun Red Bull
Petition II – Die österreichischen Unternehmen Red Bull und Rauch, die 2023 den Getränkeabfüller Urstromquelle im brandenburgischen Baruth/Mark gekauft haben, wollen nun die Getränkeproduktion rund 50 Kilometer südlich von Berlin ausbauen und ein eigenes Dosenwerk errichten. Eine Bürgerinitiative befürchtet, dass die Wasserknappheit im trockenen Süden Brandenburgs durch die Wasserförderung für die Getränkeindustrie zunimmt und prüft rechtliche Schritte gegen die Genehmigung in dem Wasserschutzgebiet. Ein Streit ums Wasser begleitete schon die Ansiedlung des Autobauers Tesla in Grünheide. In Baruth startete die Initiative "Unser Wasser gehört uns – stoppt Red Bull in Brandenburg" eine Protestpetition. Auch eine Klage einer Privatperson ist beim Verwaltungsgericht Potsdam eingegangen, um Auskunft über die vereinbarte Wasser- Fördermenge und den Preis zu erhalten. Hier die Petition unterschreiben:
innn.it/red-bull-wasser-in-baruth
Negativ Rekordwert
Erderwärmung – Die Erde nimmt immer schneller Wärme auf: Das zeigt der aktuelle Bericht "Indicators of Global Climate Change". Die menschengemachte Erderwärmung erreichte 2025 bereits 1,37 Grad mehr gegenüber dem vorindustriellen Niveau und dürfte schon bald die 1,5-Grad-Marke überschreiten. Das Ungleichgewicht im Wärmehaushalt der Erde hat laut dem Bericht einen Rekordwert erreicht. "Ohne den Einfluss des Menschen sollte das Ungleichgewicht im Wärmehaushalt der Erde bei nahe null liegen. Stattdessen nimmt es seit den 1970er Jahren zu. In den vergangenen Jahrzehnten hat es sich sogar verdoppelt", so Piers Forster, Direktor des Priestley Centre for Climate Futures und Hauptautor des Berichts. Diese zunehmende Wärmespeicherung verändert das Klimasystem: Der Meeresspiegel steigt immer schneller, die Ozeane erwärmen sich weiter und marine Hitzewellen treten häufiger auf.
Klimawende voranbringen
Konferenz-Einladung – Wie können Gewerkschaften Beschäftigte schützen und gleichzeitig die Klimawende voranbringen? Die Konferenz "Klimawende? Sozial und ökologisch!" am 20. November 2026 in Berlin lädt gewerkschaftlich Aktive, Hauptamtliche, Wissenschaftler*innen und Klima-Engagierte ein, um über konkrete Wege zu diskutieren, wie Klimaschutz sozial gerecht, mitbestimmt und beschäftigtenorientiert gestaltet werden kann. Auf dem Eröffnungspodium sprechen unter anderem DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell, der Arbeitssoziologe Klaus Dörre, die Klimaökonomin Brigitte Knopf sowie Lena Gaidies von der Kampagne #WirFahrenZusammen über die Rolle von Gewerkschaften in der sozial-ökologischen Transformation. In anschließenden Praxisforen geht es um den Umgang mit Klima-Hetze im Betrieb, Organizing-Strategien für die Transformation, Beispiele sozial-ökologischer Betriebsratsarbeit sowie die Frage, wie Klimaschutz und die Sicherung von Industriearbeitsplätzen zusammengebracht werden können. Die Konferenz findet in der Stiftung Mercator in Berlin statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen unter:
nexteconomylab.de/veranstaltungen
Klimaschäden durch Überreiche
Greenpeace-Report – "An extremen Vermögen hängen noch größere Klimaschäden als bisher angenommen. Die Spitze der Superreichen trägt besonders stark zur Klimakrise bei und muss nach dem Verursacherprinzip auch stärker an den Kosten beteiligt werden", so Clara Thompson, Greenpeace-Expertin für Klima- und Steuergerechtigkeit im neuen Greenpeace-Report zu den reichsten 0,01 Prozent Menschen dieser Welt, der Mitte Juni auf der Bonner UN-Klimakonferenz veröffentlicht wurde. Die größten Klimaschäden der Überreichen entstehen nicht nur durch Privatjets, Yachten und Luxusvillen, heißt es da. Noch größer seien die Emissionen durch Beteiligungen und Finanzanlagen. Mit ihnen erzeugen sie Klimaschäden von 1.000 Milliarden US-Dollar. Bei der Klimakonferenz ging es um zentrale Fragen der internationalen Klimapolitik: Wie können Staaten ihre Klimaziele umsetzen? Wie lässt sich der Ausstieg aus fossilen Energien beschleunigen? Wer bezahlt für die Schäden, die durch die Klimakrise längst entstehen? Die Finanzierungsfrage wird immer drängender. Denn während Dürren, Überschwemmungen, Stürme und Hitzewellen weltweit zunehmen, bleiben sehr vermögende Menschen, deren Reichtum nicht nur mit hohem Konsum verbunden ist, sondern auch mit Investitionen in emissionsintensive Wirtschaftsbereiche, in der Klimadebatte bislang oft im Schatten.
Mindestpreis für CO₂
Forderung Klima-Allianz – Nach der EU-Einigung zur Abschwächung des CO₂-Preises im neuen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS2) fordert die Klima-Allianz Deutschland von der Bundesregierung einen nationalen Mindestpreis für CO₂ sowie die umgehende Vorlage des überfälligen Klima-Sozialplans. Die Abschwächung des ETS2 dürfe nicht dazu führen, dass wichtige Investitionsanreize für klimaneutrale Technologien verloren gehen, so das Bündnis. Zugleich brauche es einen wirksamen sozialen Ausgleich für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Deutschland hat seinen Klima-Sozialplan, der Voraussetzung für Mittel aus dem EU-Klimasozialfonds ist, bislang nicht bei der EU-Kommission eingereicht.
Vernichtungsverbot
Unverkaufte Waren – Die EU hat mit der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte die Vernichtung bestimmter unverkaufter Waren verboten, um damit die Zerstörung neuer, eigentlich funktionsfähiger Produkte zu verhindern, wenn diese nicht verkauft werden konnten. Aktuell gilt das Verbot für Textilien und Schuhe. Gleichzeitig gilt eine Offenlegungspflicht von Informationen über unverkaufte Verbraucherprodukte, die auch Elektrogeräte und Spielzeug umfasst. Die Verordnung soll vermeidbare Abfälle reduzieren, die mit Herstellung, Transport und Entsorgung verbundenen Umweltbelastungen verringern und die Wiederverwendung fördern.
Werbeverbot
Wegwerf-Mode – Mit Werbung für Ultra-Fast-Fashion-Plattformen wie Shein, Temu und Aliexpress soll in Frankreich bald Schluss sein. Ein neues Gesetz soll die Produktion von Wegwerf-Mode eindämmen, um chinesische Unternehmen zu regulieren, die Europa jedes Jahr mit Millionen von Billig-Kleidungsstücken überschwemmen. Die Maßnahmen richten sich gezielt gegen "Ultra-Express-Plattformen". Gemeint sind damit Firmen, die besonders viele Produkte auf den Markt bringen, die so wenig kosten, dass Verbraucher*innen kaum Anreiz haben, abgenutzte Ware zu reparieren. Frankreich will die Plattformen außerdem verpflichten, einen steigenden finanziellen Umweltbeitrag zu leisten.
Pestizide im Essen
Foodwatch Labortest – In vielen Supermarktprodukten stecken Rückstände von Pestiziden, die in der EU längst verboten sind. Das zeigt ein aktueller Labortest der Verbraucherorganisation foodwatch. Untersucht wurden 64 Reis-, Gewürz- und Tee-Produkte aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Österreich. In 43 Proben – rund zwei Dritteln – wurden Rückstände verbotener Pestizide gefunden. Betroffen sind unter anderem Produkte von Rewe, Edeka, Aldi, Lidl, Teekanne, Meßmer sowie dem Gewürzhersteller Ostmann. Besonders stark belastet war laut foodwatch der REWE Chili Mix, in dem 22 verschiedene Pestizide nachgewiesen wurden. Bei drei Produkten – Fuchs Kreuzkümmel, Kania Kreuzkümmel und dem REWE Chili Mix – wurden gesetzliche Grenzwerte überschritten. Foodwatch fordert einen Rückruf der betroffenen Waren und kritisiert Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Denn während die EU-Kommission strengere Regeln für Pestizidrückstände in Importlebensmitteln prüft, lehnt der Minister die Pläne bislang ab.
Chemie bei Babys
PFAS-Belastung – PFAS, die sogenannten "Ewigkeits-Chemikalien", könnten bereits vor der Geburt die Gesundheit von Kindern beeinflussen. Das legt eine aktuelle Studie aus Kalifornien nahe. Die Forschenden fanden mehrere PFAS-Verbindungen im Blut von Neugeborenen und beobachteten einen Zusammenhang zwischen höheren Belastungen und einem später erhöhten Risiko für bestimmte Formen von Leukämie. PFAS werden wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in zahlreichen Alltagsprodukten eingesetzt, z.B. in beschichteten Pfannen, Outdoor-Kleidung, Lebensmittelverpackungen oder Imprägniermitteln. Problematisch ist ihre extreme Langlebigkeit: Die Stoffe bauen sich in der Umwelt kaum ab und können sich in Menschen und Tieren anreichern. Studien bringen einzelne PFAS bereits mit Fruchtbarkeitsstörungen und bestimmten Krebsrisiken in Verbindung.