Ausgabe 05/2026
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
der öffentliche Dienst wird kaputt gespart und immer mehr Beschäftigte bekommen das zu spüren. Zum Beispiel die Beschäftigten der Schleuse in Brunsbüttel, die den Schiffsverkehr an der Mündung der Elbe zwischen Nord- und Ostsee möglich machen. Das Bauwerk ist weit über hundert Jahre alt und entsprechend pflegebedürftig. Drehen, bohren, schweißen – das sind täglich anfallende Aufgaben, die immer weniger Mechaniker bewältigen sollen. Nicht anders sieht es in der Kommandozentrale der Schleuse aus: 123 Schiffe in 24 Stunden durchschleusen ist kein Pappenstiel, sondern erfordert Übersicht und nicht selten schnelles Handeln. Schon jetzt ächzt die Schleuse unter Personalmangel, bis 2029 sollen weitere 70 Stellen abgebaut werden. Was die Beschäftigten davon halten, steht in unserer Reportage.
Auch in der Kinder- und Jugendarbeit sind die Beschäftigten längst an ihren Belastungsgrenzen angekommen. Ein ver.di-Check mit wissenschaftlicher Unterstützung hat erschreckende Ergebnisse erbracht. Unter anderem 77 Prozent der Beschäftigten geben an, den Rechten und Bedürfnissen der betreuten Kinder, Jugendlichen und Familien oft oder sehr häufig nicht mehr gerecht werden zu können (Bericht). Jetzt wollen wir es noch genauer wissen und befragen anonym unsere Mitglieder quer durch den öffentlichen Dienst nach ihren Arbeitsbedingungen und deren Auswirkungen auf die Bürger*innen.
Nur meckern reicht nicht, findet Sophie. Die junge Pflegekraft aus Rostock stand beim Festival "Jamel rockt den Förster" mit dem Glitzerpinsel am Stand der ver.di Jugend. Aus ihrem Arbeitsalltag weiß sie, wie viele junge Beschäftigte sich Sorgen um ihre Zukunft machen, auch um die Zukunft der Pflege. Ihre Konsequenz: "Ich kann nicht einfach die Füße hochlegen und meckern. Also heißt es für mich: Gummistiefel anziehen und loslegen." In Jamel, einem Dorf mit rechtsextremer Mehrheit, war das bei Dauerregen und Schlamm wörtlich zu nehmen (Brennpunkt). Zum Mitmachen bei unserer Umfrage braucht's die Gummistiefel nicht.
Petra Welzel, Chefredakteurin der ver.di publik