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Foto: Sebastian Wolf

Wenn Ihr diese Ausgabe der publik in Euren Händen haltet oder an Euren Bildschirmen lest, bin ich bereits fertig mit dem 86. Lehrgang an der EAdA. Die Zeit dort war auf jeden Fall spannend, anstrengend und voller Überraschungen für mich.

Besonders gut am Studium hat mir gefallen, wie viele neue Leute man kennenlernt und wie unterschiedlich ihre Perspektiven im Hinblick auf die wesentlichen Fragen unserer Zeit sind. Wir trafen Menschen aus verschiedenen Städten, Regionen, Branchen und Forschungsbereichen und konnten fast immer kritisch und solidarisch diskutieren. Wir haben aus nächster Nähe erlebt, wie Rechtssprechung funktioniert, zum Beispiel bei unseren Exkursionen zum Landesarbeitsgericht Frankfurt am Main und zum Bundesarbeitsgericht in Erfurt.

Einen Einblick in den politischen Betrieb erhielten wir bei unseren Diskussionen mit Landtagsabgeordneten im Unterricht oder während unserer Studienfahrt zum Europaparlament in Brüssel. Zumindest für mich waren solchen Aktivitäten bis dahin alles andere als alltäglich, und es war großartig, diese Erfahrung zu machen.

Positiv in Erinnerung bleiben wird für mich auch die Stadt Frankfurt am Main, die unglaublich viele unterschiedliche Facetten einer Großstadt gleichzeitig bietet. Man bekommt urbane Vibes im Westend, Bahnhofsviertel und der Innenstadt, aber genauso gut auch das Feeling hessischer Kleinstädte in Stadtteilen wie Höchst oder Berkersheim. Mit dem 9-Euro-Ticket ging es außerdem schnell in die Natur, beispielsweise in den Taunus oder Odenwald.

Als Mensch, der im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, bin ich ein großes Angebot an Freizeitaktivitäten gewohnt, aber ich kann Euch berichten, in der Hinsicht enttäuscht auch Frankfurt nicht. Langeweile kam nicht auf.

Da ich beim diesjährigen Sommerfest der EAdA von einem Kollegen aus einem früheren Jahrgang darauf angesprochen wurde, dass ich auch ruhig mal "etwas Negatives über die Zeit schreiben" soll, mache ich das an dieser Stelle: Die elf Monate Studienzeit sind anstrengend, man braucht viel Flexibilität, um sich mit den kurzfristig reinflatternden Stundenplänen zu arrangieren, das Stipendium ist in Zeiten stark steigender Kosten inzwischen zu niedrig und die Debatten unter Gewerkschafter*innen, welche denn nun die coolste-beste-tollste Gewerkschaft ist, fand ich immer ganz schön nervtötend.

Und dennoch – es war eine unvergessliche Zeit und ich würde mich jederzeit wieder in dieses Abenteuer stürzen.

Zum Abschluss möchte ich Euch allen ausdrücklich Danke sagen für Euer Interesse an der Kolumne, für Euer Feedback und für Euren Input, was ich hier schreiben soll. Außerdem wünsche ich den kommenden Studierenden ganz, ganz viel Erfolg und Spaß – Ihr schafft das schon! Und falls Ihr Euch fragt, wie es jetzt für mich weitergeht: Das weiß ich leider auch noch nicht. Zwar hatte ich mich für das Traineeprogramm der ver.di beworben, nur leider hat das nicht funktioniert. Ich werde also sehen müssen, was als Nächstes kommt. Aber irgendwie geht es ja immer weiter.

Mehr erfahren über das Studium der Europäischen Akademie der Arbeit: eada.uni-frankfurt.de