Ausgabe 04/2026
Aus dem ver.di-Werkzeugkasten

Was können Mitglieder tun, um in ihrem Betrieb aktiv zu werden? Wie gewinnt man weitere Mitglieder, um mehr durchzusetzen? Wir stellen verschiedene "Werkzeuge" vor, die in der gewerkschaftlichen Arbeit und Auseinandersetzungen erfolgreich eingesetzt wurden. Dieses Mal erzählt Mareile Kauke, freigestellte JAVin bei der Deutschen Post AG, Niederlassung Bremen, von ihren Erfahrungen mit der JAV und JAV-Wahlen.
Wie und wann bist du zur JAV gekommen? Ich bin jetzt seit fast vier Jahren dabei. Unser damaliger JAV-Vorsitzender hat mich angesprochen und gesagt: "Du bist sehr kommunikativ, hast Lust, etwas zu bewegen, setzt dich gerne für andere ein – hast du nicht Interesse, in die JAV zu kommen?" Und ich hatte Interesse.
Das war zu Beginn deiner Ausbildung? Ja, genau. Durch die JAV und den Betriebsrat habe ich damals erst erfahren, was ver.di eigentlich ist und welche Aufgaben eine Gewerkschaft hat. Das erfährt man vorher leider nicht so genau. Mich hat das schnell interessiert, da ich schon in der Schule Klassensprecherin war und immer eingetreten bin für Leute, die ungerecht behandelt worden sind.
Und seitdem machst du das Gleiche mit den neuen Auszubildenden? Richtig. Das ist unsere Hauptaufgabe, wenn im August die neuen Auszubildenden anfangen. Wir klären sie darüber auf, was ver.di ist, wie Gewerkschaftsarbeit funktioniert und warum sie wichtig ist. Die meisten lernen uns bereits während des Bewerbungsprozesses kennen. Aber immer am zweiten Ausbildungstag haben wir einen Part für uns, wo wir JAV und Betriebsrat richtig vorstellen – wir erklären unsere Aufgaben genauer und die Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft. Denn ohne die Gewerkschaft können wir nicht viel bewegen.
Treten dann viele gleich ein? Ja. Und dann gibt es im September meist einen zweiten Termin im Rahmen einer Projektwoche. Da haben wir einen ganzen Nachmittag Zeit, um ausführlicher zu erklären, welche Vorteile eine Gewerkschaftsmitgliedschaft bietet. Die meisten Eintritte generieren wir dort. Und dieses Jahr haben wir Ende des Jahres noch unsere Tarifverhandlungen, da werden wir wahrscheinlich auch wieder zu Streiks aufrufen. Da werden sicher noch mehr Leute in ver.di eintreten.
Ihr habt dieses Jahr auch JAV-Wahlen. Müsst ihr die bewerben oder ist das ein Selbstläufer? Es gibt Niederlassungen, die den JAV-Wahltermin als verbindlichen Präsenztermin festlegen, meist in Kombination mit einer JAV-Versammlung. Das funktioniert ganz gut. Mit Briefwahl läuft es bei den Auszubildenden nicht so gut. Aber auch beim Präsenztermin ist es wichtig, vorher darauf hinzuweisen: Das sind eure Leute, die ihr da wählt, nutzt eure Stimmen, die ihr habt.
Warum ist die Teilnahme an JAV-Wahlen für Auszubildende wichtig? Es ist wichtig mitzumachen, damit man sich mit den Personen identifizieren kann, die einen in der JAV vertreten. Die JAV ist nicht nur für betriebliche Probleme da, sondern auch für private Anliegen. Jemanden zu wählen, den man sympathisch findet und dem man vertraut, ist wichtig. Man könnte zwar denken, dass man keine Probleme haben wird, aber wir arbeiten in Unternehmen – Arbeitgeber sind nicht unsere Freunde. Es wird Momente geben, in denen man Unterstützung braucht. Deshalb ist es wichtig, jemanden zu haben, dem man vertraut. Generell finde ich es gerade in diesen politischen Zeiten wichtig, sich zu engagieren. Je mehr wir sind, desto stärker sind wir zusammen und können unsere Ziele erreichen.
ver.di bietet dieses und anderes „Gewerkschaftswerkzeug“ in Schulungen an. Einen tieferen Einblick, Materialien und Videos findest du auf der Seite des Projektes Zukunft der Mitgliedergewinnung unter zdm-werkzeuge.verdi.de