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Ab dem 1. Oktober 2026 sind alle Servicebeschäftigten wieder offiziell beim Klinikum in Solingen angestelltFoto: Jennifer Soff

Am Anfang konnten sie kaum glauben, dass sie es wirklich geschafft haben. Viele haben geweint vor Freude. "Ich bin immer noch total geflasht", sagt Bayram Amil, der Leiter des Transportdiensts der Servicegesellschaft des Städtischen Klinikums Solingen. Mit viel Ausdauer haben die Kolleginnen und Kollegen durchgesetzt, dass die ausgegliederte Servicegesellschaft aufgelöst wird – und alle Beschäftigten ins Klinikum zurückkehren. Ob Reinigung, Küche, Cafeteria, Bettenzentrale, Transportdienst, Handwerk oder Logistik: Ab dem 1. Oktober sind alle wieder offiziell beim Klinikum angestellt, bezahlt nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, TVöD. "Wir sind alle wieder ein Team", betont Dirk Birkendahl, Krankenpfleger und im Betriebsrat aktiv. Ihren Erfolg feiern sie mit einem großen Fest auf der Wiese hinter dem Krankenhaus.

Sie hoffen, dass ihr Beispiel anderen Mut macht. "Es zeigt, dass es sich lohnt, mutig zu sein, sich zu organisieren und zu kämpfen", sagt Bayram Amil. Und einen langen Atem zu haben. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich vor über zwei Jahren auf den Weg gemacht. Das Städtische Klinikum hatte die Servicebereiche zum 1. Januar 2024 in eine eigene Tochtergesellschaft ausgegliedert, um Geld zu sparen – auf Kosten der Beschäftigten.

Plötzlich hunderte Euro weniger

Nicht alle wechselten freiwillig. Etwa 170 Kolleginnen und Kollegen blieben im Klinikum angestellt, mit ihren alten Verträgen. Doch neue Servicekräfte wurden nur noch in der Tochtergesellschaft einstellt. Und Beschäftigte mit befristeten Verträgen wechselten in den neuen Betrieb. Weil ihnen dort unbefristete Stellen angeboten wurden, berichtet Jenny Soff von ver.di. Dabei hätten mitunter auch hohe Sprachbarrieren eine Rolle gespielt. Mit der ersten Abrechnung kam der Schock: Viele verdienten plötzlich "drei, vier, fünfhundert Euro weniger" im Monat. Außerdem fiel ihre Jahressonderzahlung sehr viel niedriger aus und vor allem: Sie erhielten keine betriebliche Altersversorgung mehr.

Fünf Kollegen kamen weinend ins Betriebsratsbüro. "Das werde ich nie vergessen", sagt Bayram Amil. Oft habe er beim Ausfüllen von Anträgen geholfen, um Wohngeld zu beantragen oder das niedrige Gehalt aufzustocken. "Obwohl sie 100 Prozent arbeiten." Als Gewerkschafter machten sie den Leuten klar: "Wir können etwas ändern. Aber das kriegen wir nicht allein hin. Dafür brauchen wir ver.di."

Sie meldeten sich beim ver.di-Bezirk. Zu einem ersten Gespräch seien auf einen Schlag rund 30 Leute gekommen, berichtet Jenny Soff. So gut wie niemand davon war Mitglied in der Gewerkschaft. Also organisierten sie sich. Mehr als die Hälfte der Belegschaft trat bei ver.di ein. Sie wählten eine Tarifkommission und forderten den Arbeitgeber ein-, zwei-, dreimal zu Tarifverhandlungen auf, vergeblich. Die Beschäftigten erhöhten den Druck auf die Politik, schließlich handelt es sich um ein städtisches Haus. "Das war der Hebel, mit dem wir es geschafft haben", sagt Jenny Soff.

Alle haben zusammengehalten

Gemeinsam mit ver.di hätten sie einen Kampagnenplan entwickelt, berichtet der Krankenpfleger. Egal, wo der Bürgermeister auftrat, die Stadtverordneten tagten oder der Aufsichtsrat zusammenkam: "Wir waren da und haben demonstriert", sagt Bayram Amil. Die Servicekräfte sammelten Unterschriften, standen auf dem Wochenmarkt und in der Fußgängerzone. Die Solidarität im Klinikum war groß. An einer Demo zur Stadtratssitzung nahmen 350 Beschäftigte teil. "Das war echt der Wahnsinn. Alle haben zusammengehalten."

Ende Mai lenkte der Arbeitgeber schließlich ein: Ab 1. Oktober sind alle Servicekräfte wieder beim Klinikum angestellt, zu den Konditionen des TVöD, allerdings zunächst noch mit leichten Abstrichen bei Entgelt, Stufenlaufzeiten und Jahressonderzahlung. Betriebsbedingte Kündigungen werden für die nächsten zehn Jahre ausgeschlossen, genauso eine erneute Privatisierung der Servicebereiche. "Wir haben absolut Großartiges geschafft", findet Jenny Soff. "Es war mühsam, aber hat sich gelohnt." Für über 100 Servicekräfte und ihre Familien habe sich das Leben sehr verbessert.

Für Bayram Amil ändert sich finanziell nichts, er hat seinen alten Vertrag behalten. "Aber persönlich ändert sich viel", sagt Bayram. "Die Atmosphäre auf der Arbeit ist jetzt ganz anders. Alle sind viel zufriedener." Auch Dirk Birkendahl ist als Krankenpfleger nicht direkt betroffen. "Trotzdem habe ich eine ganze Menge davon, wenn unsere Gesellschaft nicht immer weiter auseinander kippt."