Zeig, wo der öffentliche Dienst kaputtgespart wird

Umfrage – Zu wenig Personal, zu viel Arbeit, immer neue Kürzungen: Wo spürst Du in deinem Arbeitsalltag, dass im öffentlichen Dienst am falschen Ende gespart wird? ver.di sammelt die Erfahrungen von Beschäftigten – und will sichtbar machen, was Personalmangel und Spardruck konkret bedeuten. Unter dem Motto „ÖD kaputt gespart“ kannst Du anonym berichten: Wo fehlt Personal? Was bleibt liegen? Und welche Folgen bekommen Bürger*innen zu spüren? Die Beiträge werden gesammelt und geprüft. Im Frühjahr 2027 sollen die Erfahrungen auf einer Deutschlandkarte veröffentlicht werden und zeigen, wo sich der Sparkurs im öffent­lichen Dienst besonders auswirkt.

Mach mit und erzähl, wie es bei Dir aussieht: verdi.de/oed-kaputt-gespart

H&M kündigt Digital-Konsens auf

Tarifvertrag – Noch vor einem Jahr galt H&M als Vorbild für die faire Gestaltung der Digitalisierung: Betriebsräte und Beschäftigte wurden frühzeitig einbezogen, ein Tarifvertrag schützte vor Kündigungen und Abgruppierungen. Inzwischen hat das Management die Tarifverhandlungen abgebrochen und bestreitet die Erforderlichkeit einer Betriebsrätetagung zur menschengerechten Digitalisierung. Auch die Mitbestimmung bei der Einführung neuer Technologien soll "beschleunigt" und "vereinfacht" werden. Der Gesamtbetriebsrat und ver.di-Aktive fordern deshalb mit einer Online-Petition den Bundestag auf, die Mitbestimmung zu stärken: kurzlinks.de/odg1

Grenzenlose Solidarität

Amazon – Der Aufbau gewerkschaftlicher Strukturen ist in den USA oft mit erheblichen Widerständen verbunden, gerade bei Konzernen wie Amazon. Umso wichtiger ist der internationale Austausch. Im Juni 2026 nahm eine Delegation aus Berlin-Brandenburg für ver.di an der Labor Notes Conference in Chicago teil, einem der größten Gewerkschaftsgipfel der USA. Über 4.000 Gewerkschafter*innen kamen zusammen, darunter rund 300 Amazon-Beschäftigte. Workshops beleuchteten die Situation bei Amazon in den USA, Spanien, Polen, Frankreich und Deutschland. Der Wissens- und Erfahrungsaustausch mit internationalen Kolleg*innen fließt künftig in die Vorbereitung tariflicher Auseinandersetzungen in Amazons Verteil- und Sortierzentren ein. Auch die bundesweite ver.di-Streikkonferenz am 19. und 20. September 2026 brachte Amazon-Beschäftigte aus ganz Deutschland zusammen. Sie diente der Vernetzung und der Vorbereitung auf den kommenden "Make Amazon Pay Day", den internationalen Aktionstag für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen bei Amazon.

Noch ergebnislos

Druckindustrie – Anfang September ist auch die dritte Tarifverhandlungsrunde zwischen ver.di und dem Bundesverband Druck und Medien (BVDM) für die rund 95.000 Beschäftigten in der Druckindustrie ergebnislos zu Ende gegangen. Weiterverhandelt wurde am 1. Oktober nach Redaktionsschluss. Aktuelle Infos unter: verdi.de

MHH kündigt Entlastung auf

Hannover – Das Land Niedersachsen und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) wollen die Entlastungsvereinbarung mit ver.di zu Ende Januar 2027 kündigen. Sie gilt seit April 2025 und war nach Streiks durchgesetzt worden. Als Grund nennen die Arbeitgeber Kürzungen des Bundes bei der Krankenhausfinanzierung. Die Beschäftigten sind empört. ver.di fordert, die Vereinbarung ab Februar 2027 wieder in Kraft zu setzen, sonst drohen neue Streiks. Sie beginne gerade erst zu wirken, sagt ver.di-Landesbezirksleiterin Andrea Wemheuer. Der Druck auf die Krankenhäuser dürfe nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen.

Sechs Prozent mehr

PFLEGEN & WOHNEN HAMBURG – Die rund 2.000 Beschäftigten erhalten in zwei Schritten insgesamt sechs Prozent mehr Geld: Die Entgelte steigen zum 1. Januar 2027 um 3,9 Prozent und zum 1. Januar 2028 um weitere 2,1 Prozent. Auszubildende bekommen zu beiden Zeitpunkten jeweils 60 Euro mehr. Für Beschäftigte in besonders belastenden Bereichen – etwa in der Pflege von Menschen mit Demenz, im Wachkoma oder mit Korsakow-Syndrom – hat ver.di zudem eine Zulage von sieben Prozent des Monatsbruttos durchgesetzt. Ab 2028 erhalten ver.di-Mitglieder einen zusätzlichen freien Tag pro Jahr. Der Tarifvertrag läuft 24 Monate.

Mehr Urlaub

Kirchlicher Tarifvertrag Diakonie – Mehr Erholung für die Beschäftigten der Diakonie Hamburg und Schleswig-Holstein: Ab Januar 2027 steigt der Jahresurlaub von 30 auf 31 Tage. Wer seit 25 Jahren beim selben Arbeitgeber beschäftigt ist, bekommt dauerhaft einen weiteren Urlaubstag. ver.di-Mitglieder erhalten künftig außerdem zwei statt bisher einen freien Tag pro Jahr für gewerkschaftliche Betätigung. Der Tarifvertrag gilt unter anderem für Beschäftigte der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, der Elbdiakonie, des Hospitals zum Heiligen Geist, der Diakoniestiftung Alt-Hamburg und der Marthastiftung.

Schutz vor Lohndumping

Sicherheitswirtschaft Hessen – Der Entgelttarifvertrag für Sicherheitsdienstleistungen ist erneut allgemeinverbindlich. Damit gelten die tariflichen Mindeststandards für rund 25.000 Beschäftigte in Hessen – unabhängig davon, ob ihr jeweiliges Unternehmen tarifgebunden ist. Das schützt die Beschäftigten vor Lohndumping und verhindert, dass sich Unternehmen durch niedrige Löhne Wettbewerbsvorteile verschaffen. Die Entgelte sind zum 1. Januar 2026 um 3,75 Prozent gestiegen; zum 1. Januar 2027 folgt eine weitere Erhöhung um 3,65 Prozent.

Zulagen erhöht

AWO Bayern – Seit Juli 2026 erhalten die Beschäftigten 2,8 Prozent mehr Entgelt, die Ausbildungsvergütungen steigen um 75 Euro. Deutlich erhöht wurden auch die Zulagen: Der Nachtarbeitszuschlag beträgt nun 20 Prozent statt 2,50 Euro, die Wechselschichtzulage steigt von 105 auf 200 Euro und die Schichtzulagen von 62 auf 100 Euro beziehungsweise von 36 oder 46 Euro auf 75 Euro. Fällt während eines Bereitschaftsdienstes Nachtarbeit an, wird dafür künftig zusätzlich der Nachtarbeitszuschlag gezahlt. Die geleistete Nachtarbeit zählt zudem beim Anspruch auf Zusatzurlaub.