Ausgabe 05/2026
Aus dem

Was können Mitglieder tun, um in ihrem Betrieb aktiv zu werden? Wie gewinnt man weitere Mitglieder, um mehr durchzusetzen? Wir stellen verschiedene "Werkzeuge" vor, die in gewerkschaftlicher Arbeit und Auseinandersetzungen erfolgreich eingesetzt werden. Dieses Mal erzählen Ramona Heimberg und Mareike Engel, Beschäftigte der Stadt Hannover, Personalrätinnen und ver.di-Vertrauensleute von ihren Erfahrungen mit der Struktur der zentralen Vertrauensleute und den Vorbereitungen zur Tarifrunde Öffentlicher Dienst.
Eine Besonderheit bei euch ist, dass ihr die Struktur der Zentralen Vertrauensleute (ZVL) habt. Was ist das? Ramona: Wir sind eine große Verwaltung – mit 12.000 Beschäftigten insgesamt. In den einzelnen Ämtern und Betrieben gibt es immer örtliche Vertrauensleute, wie man es kennt. Darüber hinaus haben wir aber noch unsere Zentralen VL. Das heißt, alle Vertrauensleute, die örtlich aktiv sind, entsenden zwei Vertrauensleute in die ZVL, sodass wir eine maximale Vernetzung stadtweit sicherstellen können. Das erleichtert den Fluss und das Bündeln von Informationen. Und auch das Planen von Aktivitäten. Mareike: In der ZVL haben wir verschiedene Aktionsgruppen installiert. Beispielsweise gibt es eine Gruppe, wo Aktionsmaterialien erstellt werden, also Transparente gemalt, Buttons gedruckt und so weiter. Demnächst beschäftigt sich eine Gruppe mit Info-Flyern. Und eine wird sich damit befassen, welche Aktionen man während der Verhandlung machen könnte, um auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen.
Die Tarifrunde Öffentlicher Dienst geht erst im Dezember mit der Forderungsbefragung los. Ihr steckt aber jetzt schon in den Vorbereitungen? Mareike: Ja, manche Gruppen laufen tatsächlich schon, weil auch zwischendurch immer zu Aktionen aufgerufen wird – so wie zuletzt zu der Demo am 26.9. gegen den Sozialabbau.
Die geplanten Sozialkürzungen spielen auch eine Rolle für die Mobilisierung zur Tarifrunde? Ramona: Total. Das gehört sogar fast schon mit in die Tarifrunde. Diese Kürzungen haben direkte Auswirkungen auf die Beschäftigten im öffentlichen Dienst – in einzelnen Bereichen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen usw. Ihre Arbeitsrealität ist davon unmittelbar betroffen. Aber natürlich sind auch wir "normale" Menschen angewiesen auf einen funktionierenden Staat, auf ein funktionierendes Sozialsystem und direkt davon betroffen. Also im Prinzip sind die Sozialproteste schon ein Stück weit ein Auftakt, um dann auch im Dezember für die Forderungsfindung zu mobilisieren.
Habt ihr euch konkrete Ziele für die Tarifrunde vorgenommen? Mareike: Wir wollen auf jeden Fall noch mehr ver.di-Mitglieder gewinnen. Denn je mehr Menschen wir aktiviert bekommen, umso durchsetzungsfähiger sind wir am Ende auch.
Wie wollt ihr mobilisieren? Was ist euer Erfolgsrezept? Mareike: Die direkte Ansprache ist das Wichtigste, würde ich sagen. Und was bei uns aufgrund der Größe auch ganz wichtig ist, ist, dass immer alle gut informiert und auf dem aktuellen Stand sind. Deshalb haben wir diese Strukturen der ZVL entwickelt. Ramona: Ich würde auch sagen 1:1-Gespräche. Was dabei aber wichtig ist, finde ich, ist ehrlich miteinander zu reden. Dass man quasi einen Realitätscheck macht, aber nicht im Sinne von, ja, das geht, aber das geht nicht, sondern das verbindet mit Aufbruch: Wenn wir jetzt gemeinsam aufbrechen, können wir gucken, ob wir noch mehr erreichen können. Da ist die Rückkopplung ein total gutes Instrument, um regelmäßig auszuloten: Wo stehen wir gerade, auch später innerhalb der Verhandlungen, was ist der aktuelle Stand? In welche Richtung geht das gerade. Wie ist deine Sicht darauf? Was können wir mitnehmen? Das ist total wichtig.
