Berufsunfähigkeitsversicherungen sind teuer - im Zweifelsfall ersparen sie jedoch den Gang zum Sozialamt

Von Sabine Schmitt

Ein Unfall kommt immer überraschend. Und auch schwere Krankheiten haben die Tücke, sich nicht anzukündigen wie ein harmloser Schnupfen. Fast ein Viertel aller Arbeitnehmer ist nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung inzwischen von Berufsunfähigkeit betroffen und hat im Ernstfall eine große finanzielle Lücke zu schließen, wenn das regelmäßige Einkommen wegfällt.

Vor fast sieben Jahren wurde die staatliche Absicherung der Berufsunfähigkeit für die Jahrgänge ab 1961 stark eingeschränkt. Gezahlt werden je nach Grad der Erwerbsunfähigkeit nur noch halbe oder volle Erwerbsminderungsrenten. Die volle liegt durchschnittlich bei rund 700 Euro im Monat bei erheblicher gesundheitlicher Beeinträchtigung. Experten raten daher Arbeitnehmern und auch jedem Freiberufler, über eine private Berufsunfähigkeitsversicherung nachzudenken.

Dachdecker leben gefährlicher als Kaufleute

"Neben der privaten Haftpflicht ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung die wichtigste Absicherung", sagt Rüdiger Strichau, Versicherungs- und Rechtsberater der Berliner Verbraucherzentrale. 500 bis 1500 Euro jährlich müssen für den Versicherungsschutz investiert werden. Abhängig ist dies neben dem Einstiegsalter und den vereinbarten Leistungen vor allem von der Risikoklasse, in die der Kunde eingestuft wird. Dachdecker leben gefährlicher als Bürokaufleute, das wirkt sich auf die Beitragshöhe aus.

Vor allem wer jung ist, verschwendet wenige Gedanken daran, welche Folgen Krankheiten oder Unfälle haben können. Doch es sind Auszubildende, Studierende und Berufseinsteiger, denen zum Abschluss einer Berufsunfähigkeitsrente geraten wird. "Wer früh einsteigt, hat mehrere Vorteile", sagt Susanne Meunier, Versicherungsexpertin bei der Stiftung Warentest. "Die Prämien sind niedrig, die Auswahl unter den Versicherern ist groß, und meistens sind die Antragsteller noch sehr gesund." Risikoaufschläge oder den Ausschluss bestimmter Krankheiten müssen sie nicht fürchten. Das sieht bei älteren Versicherungsaspiranten schon ganz anders aus. Wer beispielsweise ein zurückliegendes Rückenleiden angibt, muss damit rechnen, mehr zahlen zu müssen oder als Kunde von der Versicherung abgelehnt zu werden.

Einige Zeit und Mühe sollten investiert werden, um an einen guten Vertrag zu gelangen. Aus dem Wust von mehr als hundert Produkten das richtige herauszufinden, ist nicht leicht. Die gute Nachricht: Viele Anbieter haben ihr Regelwerk in den vergangenen zwei Jahren stark überarbeitet und verbessert. Die Rente mit 67 hat Berücksichtigung gefunden, einige kundenunfreundliche Klauseln sind entfallen.

Wer jung ist, verschwendet keine Gedanken an die Folgen von Unfällen oder Krankheit

Checkliste Berufsunfähigkeitsrente

Kassensturz: Rechnen Sie bisher erworbene Rentenansprüche, Kapitaleinkünfte etc. zusammen. Der Differenzbetrag zum heutigen Nettoeinkommen sollte als Rente versichert werden, um den Lebensstandard zu erhalten.

Auswahl: Die Preis-Leistungsunterschiede der Versicherungen sind erheblich. Meist sind Kombiangebote von Berufsunfähigkeits- und kleiner Risikolebensversicherung billiger. Lassen Sie sich unabhängig beraten.

Gesundheitsprüfung: Verschweigen Sie nichts bei den Gesundheitsfragen. Im Ernstfall erlischt sonst der Versicherungsschutz. Versicherungen, die zu weit in die Vergangenheit hinein Auskunft haben wollen, sollten Sie meiden. Die Abfrage der zurückliegenden fünf Jahre ist üblich.

Abstrakte Verweisung: Unterschreiben Sie keinen Vertrag mit dieser Klausel. "Abstrakte Verweisung" heißt, dass die Versicherung keine Rente zahlen muss, so lange der Versicherungsnehmer theoretisch in der Lage ist, einen anderen Job als den erlernten Beruf auszuüben. Die tatsächlichen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt werden nicht berücksichtigt.

Nachversicherungsgarantie: Wenn Sie früh einsteigen, sollten Sie ihre Versicherung jederzeit Ihren Lebensumständen anpassen können - ohne erneute Gesundheitsprüfung.