Ausgabe 03/2026
Aus dem ver.di-Werkzeugkasten

Was können Mitglieder tun, um in ihrem Betrieb aktiv zu werden? Wie gewinnt man weitere Mitglieder, um mehr durchzusetzen? Wir stellen verschiedene „Werkzeuge“ vor, die in gewerkschaftlicher Arbeit und Auseinandersetzungen erfolgreich eingesetzt wurden. Dieses Mal berichtet die Bühnenmeisterin Jasmin Rosenberg, frisch gewählte ver.di-Vertrauensfrau, von einem Überraschungsstreik mit großer Wirkung am Staatstheater Darmstadt.
Ihr habt am Staatstheater Darmstadt zum ersten Mal seit Jahren in der Tarifrunde des Landes Hessen gestreikt. Wie kam es dazu?
Im Herbst haben sich auf Einladung von ver.di eine Handvoll Leute getroffen, um die Tarifrunde vorzubereiten. Ich bin zwar seit meiner Ausbildung ver.di-Mitglied, hatte davon aber gar nichts mitbekommen. Als es mit den Ansprachen losging, hat sich plötzlich eine enorme Dynamik entwickelt.
Wann bist du dazu gekommen?
Erst kurz vor dem ersten Streik. Dann aber gleich von null auf hundert. Es hat sich ein eingeschworener Kreis von Aktiven gebildet, die alle neu aktiv waren. Wir haben die Aktionen organisiert und intensiv vorbereitet. Der erste Streiktag war ein Erfolg, hatte aber nur eine geringe Außenwirkung.
Warum das?
Es ist zwei, drei Tage vorher durchgesickert, dass wir an dem Tag streiken werden. Darauf konnte sich die Leitung vorbereiten. Sie hat eine Probe abgesagt und die Leute stattdessen zum Aufbau der Oper im großen Haus eingeteilt. Die Vorführungen konnten daher ungestört stattfinden.
Welche Schlussfolgerung habt ihr daraus gezogen?
Wir haben gesagt: Wenn der Streik eine Wirkung erzielen soll, muss er überraschend kommen. Nach intensiven und auch kontroversen Diskussionen haben wir in unserer Kerngruppe entschieden, am 14. März eine Opernpremiere und weitere Vorstellungen zu bestreiken. Und das erst am Morgen dieses Tages bekannt zu geben.
Wie habt ihr für einen Streik mobilisiert, ohne den Tag zu nennen?
Wir haben sehr viel mit den Kolleg*innen über die Tarifrunde gesprochen. Schon vorher – nach jeder Verhandlungsrunde – sind wir mit Rückkopplungsbögen rumgelaufen, haben die Leute informiert und nach ihrer Meinung gefragt. Nach den vielen Gesprächen war bei vielen einfach klar: Wenn ver.di zum Streik aufruft, sind sie dabei. Über 20 Kolleg*innen sind ver.di neu beigetreten.
Und tatsächlich musste das Staatstheater die Premiere, zwei Aufführungen und eine Generalprobe absagen.
Ja, das hat es in Darmstadt schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gegeben – wenn überhaupt schon mal. Es hat sich gezeigt: Es braucht nicht nur Künstler*innen und Regisseure, sondern auch all diejenigen, ohne die kein Licht angeht und kein Aufzug fährt. Und es gibt Schlüsselpersonen: Wenn die Haustechnik streikt, darf das Haus aus Sicherheitsgründen nicht geöffnet werden. So war es auch bei uns – und das haben wir mit den betreffenden Kolleg*innen in vielen Gesprächen vorbereitet.
Hast du noch einen Tipp für andere?
Entscheidend ist, selbst von der Sache überzeugt zu sein. Wenn man mit Leidenschaft dabei ist, spüren die Leute, dass wir es ernst meinen. So machen wir weiter. Gerade haben wir zum ersten Mal Vertrauensleute gewählt. Mit ver.di im Rücken können wir viel bewegen – nicht nur in der Tarifrunde.
Interview: Daniel Behruzi
ver.di bietet dieses und anderes „Gewerkschaftswerkzeug“ in Schulungen an. Einen tieferen Einblick, Materialien und Videos findest du auf der Seite des Projektes Zukunft der Mitgliedergewinnung unter zdm-werkzeuge.verdi.de