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Gut und günstig geht nur bei den Waren, nicht bei den BeschäftigtenFoto: Stefan Boness/ipon

Am 17. April hat die Tarifrunde im Handel begonnen. ver.di verhandelt für 5,2 Millionen Beschäftigte im Einzel- sowie im Groß- und Außenhandel. Zum Auftakt kamen die Arbeitgeber in allen Bundesländern ohne Angebot.

Daraufhin verwies die ver.di-Verhandlungsführerin in Nordrhein-Westfalen (NRW), Henrike Eickholt, auf die finanziellen Mehrbelastungen der Beschäftigten durch die stark gestiegenen Kraftstoffpreise. Das gelte besonders für die Beschäftigten in den Handelslagern, die außerhalb der Städte liegen und nur mit dem Auto erreicht werden können. Wolfgang Krüger, ver.di-Verhandlungsführer in Baden-Württemberg (BaWü), betonte, jeder Verhandlungstermin ohne Annäherung verschärfe die finanzielle Situation der Beschäftigten.

Verhandelt wird in den 16 Tarifgebieten des Einzelhandels und 20 Tarifgebieten des Groß- und Außenhandels. Dabei gibt es eine klare gemeinsame Orientierung. Auf der ver.di-Tarifkoordinierungskonferenz waren dazu am 14./15. April 2026 gemeinsame Eckpunkte beschlossen worden: Im Mittelpunkt stehen tabellenwirksame Entgelterhöhungen in Höhe von 7 Prozent mit einer Laufzeit von 12 Monaten.

ver.di-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer sagte: "Die Vertreterinnen und Vertreter aller Tarifgebiete sind sich einig: Wir wollen eine deutliche Erhöhung der Realeinkommen über die gesamte Laufzeit des Tarifabschlusses erreichen." Dazu gehöre eine Erhöhung, die deutlich über der Inflationsrate liege. Das gelte für die Löhne, Gehälter und Entgelte der Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels sowie des Groß- und Außenhandels. Bei den Ausbildungsvergütungen sei eine überproportionale Erhöhung gefordert.

Laut ver.di verdient eine Kauffrau/ein Kaufmann im Einzelhandel ab dem 6. Berufsjahr rund 3.219 Euro brutto, im Groß- und Außenhandel ab dem 7. Tätigkeitsjahr 3.394 Euro brutto (Beispiele NRW). Besonders viele Handelsbeschäftigte arbeiten in Teilzeit: 65,1 Prozent im Einzelhandel und 27,6 Prozent im Großhandel. Zum Großteil machen sie das unfreiwillig, weil die Arbeitgeber kaum noch Vollzeitstellen ausschreiben. "Umso härter treffen Preissteigerungen, wie zuletzt bei Benzin und Diesel, die Handelsbeschäftigten", so Zimmer. Während sie für ihre Unternehmen Millionen von Euro kassierten, müssten sie selbst zu Hause jeden Cent zweimal umdrehen. Damit müsse Schluss sein.

Streik sei die "Ultima Ratio", sagte Silke Zimmer. Doch dieses letzte Mittel haben die Arbeitgeber mit ihren niedrigen Angeboten in den weiteren Verhandlungen provoziert. Mitte Mai wurde deshalb in über 200 Betrieben gestreikt, darunter Filialen von Edeka, REWE, KAUFLAND, Marktkauf, Penny, Douglas, Primark, Zara, H&M, Metro und IKEA.