Ausgabe 03/2026
"Da wird nonchalant mit unseren Arbeitsplätzen gespielt"

"Zu teuer, zu links, zu träge." Moschgan Ebrahimi kennt diese Vorwürfe gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) nur zu gut. Seit 25 Jahren arbeitet sie im ARD-Kosmos. Angefangen hat sie eigentlich "nur mal so" für sechs Wochen, um dann zwei Dekaden als Aufnahmeleiterin tätig zu sein. Das war "zeitweise schon sehr herausfordernd, echt Rock and Roll", sagt sie. Heute ist sie Personalratsvorsitzende beim Saarländischen Rundfunk.
Für Moschgan zeigt sich in den Debatten um den ÖRR längst mehr als Medienkritik. Die Angriffe treffen auch die Menschen, die dort arbeiten. "Heute werden wir massiv in Frage gestellt. Als ich in der Produktion angefangen habe, waren die Leute immer sehr begeistert, wenn wir bei ihnen im Ort waren. Wir haben die Türen zu unserem Übertragungswagen geöffnet und den Leuten unsere Arbeit gezeigt. Heute können wir das nicht mehr ohne weiteres machen, weil die Anfeindungen zugenommen haben. Es fühlt sich immer jemand von uns auf die Füße getreten und beschuldigt uns, Partei für oder gegen etwas zu ergreifen."
Als der Feind gebrandmarkt
Insbesondere die AfD treibt die Debatte um den ÖRR voran. Sie will den Rundfunkbeitrag abschaffen und den ÖRR demontieren. Das ständige "Bashing" und das Infragestellen der Beiträge erzeugt viel Unsicherheit: "Da wird nonchalant mit unseren Arbeitsplätzen gespielt. Im Vergleich zur Industrie werden wir nicht als Arbeitnehmer wahrgenommen, niemand hat Mitleid mit unseren Sorgen und Ängsten. Oder wir werden einfach als der Feind gebrandmarkt. Stattdessen stehen wir alle zwei Jahre vor dem gleichen Dilemma, ob wir nun die Rundfunkbeiträge haben oder nicht."
Auch die Vorstellung, man würde im ÖRR zu viel verdienen, kann Moschgan nicht nachvollziehen. Die Gehälter entsprächen den Qualifikationen und "sind hart erkämpft, weil wir schon immer Gewerkschaften in den Häusern haben". Zudem werde oft an prominente Gesichter gedacht, nicht an die vielen Beschäftigten hinter der Kamera, ohne die keine Sendeanstalt funktioniert.
Moschgan betont zudem, dass die Kostendebatte den Umbruch im ÖRR ausblendet. Heute müssten der lineare und der digitale Ausspielweg gleichzeitig bedient werden. Ein Prozess, der "gerade mit zwei noch parallellaufenden Systemen in dieser Übergangsphase mehr Anstrengung, mehr Personal und mehr Geld benötigt. Gleichzeitig glauben die Leute, wir müssten es mit Google, Amazon und Co. aufnehmen, obwohl wir nur einen Bruchteil der Mittel haben."
Für sinnvoll hält sie den Reformstaatsvertrag: "Super-Ansätze, wie die gemeinsame Plattform von ARD und ZDF." Entscheidend sei, dass die Pressefreiheit gewahrt und der ÖRR ausreichend finanziert bleibt, ohne zum Spielball der Parlamente zu werden. Die Unabhängigkeit des ÖRR ist für Moschgan das wichtigste Argument: "Wir haben unseren Auftrag aus gutem Grund, aus der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges, wo wir gesehen haben, was Propaganda mit den Menschen macht."
Die föderale Struktur solle Gleichschaltung verhindern und verschiedene Perspektiven sichern. "Wir sind sehr regional verbandelt, aber man berichtet aus Hamburg anders als aus Saarbrücken. Und das ohne Abhängigkeit von Sponsoren oder Werbung. Pressefreiheit ist hier das Zauberwort."
Was sich Moschgan wünscht? "Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch in Zukunft für Glaubwürdigkeit und unabhängige Berichterstattung steht. Dass er einen festen Platz im Alltag der Menschen einnimmt – als Gegengewicht zu durch Algorithmen oder KI beeinflussten Denkblasen."
"Es fühlt sich immer jemand von uns auf die Füße getreten und beschuldigt uns, Partei für oder gegen etwas zu ergreifen."
Moschgan Ebrahimi, Personalratsvorsitzende beim Saarländischen Rundfunk